Das Boot: Meine Inter 6800

Geschichte:

Die Inter 6800 wurde  neu aus Norwegen zum Chiemsee geliefert und wurde dort von der Motoryacht zur Elektroyacht umgebaut.
Der Dieselmotor und die Tanks wurden gleich werftseitig nicht eingebaut, damit Platz für die Akkus war, und die Antriebswelle wurde dann von o.g. Firma in Rimsting mit einem Boots-Elektromotor gekoppelt, und mit Ladeelektronik und Steuergerät ausgestattet. Das war die Voraussetzung für die  Fahrerlaubnis für den Chiemsee .
Dass ich heute trotzdem vom Schiff begeistert bin, ist letztlich den vielen Stunden "Verbesserungsarbeiten" zu verdanken, die ich in das Boot hineingesteckt habe. Das Boot hat nunmehr vom Fernseher bis zur elektrischen Kaffemaschine, von 2 elektrischen Scheibenwischern bis zum Ventilator (bei Hitze), von einer 220 Volt Stromquelle bis zum Gasgrill in der Küche und von der Stereoanlage bis zum ferngesteuerten Suchscheinwerfer alles an Bord, was einen angenehmen Aufenthalt möglich machen kann. Selbst eine Heizung für kühle Abende ist vorhanden.


Verarbeitung:

Von der Verarbeitung der Inter 6800 war ich enttäuscht. Es dauerte eine Saison, bis alles so modifiziert war, wie ich es wollte.

Bei den Holzaufbauten hatte man das Gefühl, dass sie lieblos und schlampig ausgeführt wurden.
So musste der Sitz erst ausgebaut und die Lehne verkürzt werden, damit er zur Küchenbenützung umgeklappt werden konnte.

Die Sonnenbank mit unsauber gebohrten Stecklöchern (natürlich ohne Steckhülsen) sieht nicht nur dilettantisch aus, sondern erfordert auch noch umständliche Kriecharbeiten um sie zusammen zu montieren. Jeder deutsche Lehrling würde von seinem Meister Ohrfeigen bekommen, wenn er so eine Arbeit abliefern würde. Aber für ca 800,- € Aufpreis für die 3 schlampigen Brettl mit Polster, kann man wohl nicht mehr verlangen.

Die einzelnen Liegepolster musste man selbst nach einer Saison noch mit Kraft zusammenpressen, damit sie halbwegs bündig sind.
Die Bretter, welche die Unterlage für die Bettmatrazen bilden musste ich nachschneiden lassen, weil sie sonst nicht in den Rahmen gepasst hätten (unterschiedliche Breiten).
Bei den Beschlägen und Schrauben im Innenraum, haben wir einen bunten Mix von Messing und Stahl.
Schade eigentlich … denn nur in Messing oder nur in Stahl hätte es doch viel edler ausgesehen.
Die Seitenverglasung musste nachgedichtet werden, weil Regenwasser eintrat.
Die Tischstützen und Polsterleisten fehlten, wurden nach meinen Anrufen in Norwegen dann doch endlich nachgesandt.
Der Boden in der Toilette ist nackter GFK, ohne Teppich.
Immerhin ist das Verdeck von guter Qualität und leicht zu handhaben. Das Boot hat gute Fahreigenschaften.

Meine Reklamationen in der Werft wurden nur mit freundlichem : „das ist Standard" beantwortet.


Verbesserungen:

Die Elektrifizierung des Motorbootes hat hatte aber nicht den erwarteten Erfolg. Sollte doch der E-Motor in etwa der Leistung eines 15 PS Dieselmotors entsprechen. Weit gefehlt!
Die Trimmung des Schiffes ist zu hecklastig und kostet nochmals 1-2 Km/h. Wenigstens hat der Motorhersteller „Kräutler“ auf meine Geschwindigkeitsklage reagiert und kostenlos den Propeller von "12 x 8“ in "12 x 10“ getauscht. Das hat die Steuerfähigkeit immerhin verbessert und auch die Endgeschwindigkeit um ca 1 Km/h erhöht.

Nie mehr vermissen möchte ich meinen extra hier eingebauten Bugstrahler, der die Manövrierfähigkeit beim Anlegen doch ganz erheblich verbessert (gerade bei einem Bootsantrieb mit starrer Welle). Meine vorherige Elektroyacht hatte dies leider nicht.
Erfreulicherweise kam im Herbst 2007 erstmalig mein schon im Winter 2006 gekaufter nagelneuer Harbeck Trailer zum Einsatz.
Leider mußte in der nächsten Saison dessen Hinterachse um ca. 1 m verschoben werden, weil die Gewichtsverteilung überhaupt nicht stimmte. Schade, dass solche Fehler passieren.
Aber auch der mit einem Elektromotor betriebene Anker mit 30 m Edelstahlkette ist eine feine Sache. (zusätzlicher Einbau)
Dadurch ist man völlig unabhängig von "Helfern" beim Anliegen an fremden Stegen, besonders bei stärkeren Wind.
Als es so sommerlich heiß war, setzte mein Motor nach längerer Fahrt einfach aus. Jetzt hatte ich auch noch ein Hitzeproblem.
Das löste ich, in dem ich 2 Bilgenlüfter einbaute. Einen für die Zuluft und einen für die Abluft.
Der Wärmeaustausch funktioniert nun besser und ich hatte bisher keine neuen Motoraussetzer mehr.
Falls jemand meine Hilfe für ähnliche Probleme braucht, bin ich ihm gerne mit Rat behilflich.

Es hat ein bißchen gedauert, bis ich die Lösung durch viele Gespräche mit Schiffsbauern fand, warum mein Boot ohne Korrektur nie geradeaus fuhr. Der Grund war der viel zu große Abstand des Ruderblattes vom Propeller. Seit das Ruderblatt um die Hälfte vergrößert wurde, fährt auch mein Boot gerade aus. Vorher war der Abstand 35 cm und jetzt ist er auch bei den von mir an vielen Yachten mit ähnlichen Propellern nachgemessenen 13 cm. Das hätten die Norweger eigentlich auch richtig machen können.


Vergleichstabelle :

Etwas mühseelig war es dann, die technischen Details, wie Drehzahl, Untersetzung des Motors usw. heraus zu bekommen.
Ich habe mir dazu extra einen Laserdrehzahlmesser gekauft. Nachdem ich Listen erstellt habe um die Zusammenhänge zwischen Stromverbrauch und Drehzahl zu verstehen, war ich überzeugt, dass der Propeller nicht optimal ist. Ein Telefonat mit dem Seniorchef von Kräutlermotoren hat mir dann die Möglichkeit der Geschwindigkeitserhöhung auf Kosten der Fahrtzeit aufgezeichnet. Ich habe es noch nicht ausprobiert, weil die Propeller, die ich über das Internet bei einem Händler bestellt habe, immer noch nicht geliefert wurden.
Sie kamen auch später nicht mehr, weil die Internetfirma pleite war.
Auf der Bootsmesse in Friedrichshafen hatte ich dann Glück und habe einen Propellerhersteller aus der Schweiz kennen gelernt.
Dieser klärte mich über die Intoleranzen der chinesischen Propeller auf, welche mittlerweile unter alten deutschen Firmennamen günstig weiterhin vertrieben werden. Der von ihm empfohlene Radix-Propeller ist hervorragend austarriert und ich bin damit sehr zufrieden.
Es ist schade, dass man sich am Chiemsee nirgendwo zum Testen Propeller ausleihen kann.
Die vermuteten Größen der Propeller beim Umrüsten neuer Bootstypen auf Elektroantrieb basieren ja nicht auf tatsächliche Erfahrungen. Vor mir hatte z.B. niemand mein neues Bootsmodell am Chiemsee gefahren.

Hier nun eine Vergleichstabelle zu meinen getesteten Propellern bei einer Rumpfgeschwindigkeit von 11,2 Km/h und einem Leergewicht von 2,060 t :

Der C7 Propeller (leider auch der teuerste =450,- €, statt der üblichen 170.-€) brachte zwar keine Geschwindigkeit, doch viel besseren Schub und Stabilität bei höherem Wellengang, allerdings ein wenig auf Kosten des Energieverbrauchs.

Doch bei Schlechtwetter, ist dies mir dies wichtig, um wieder sicher in meinen Heimathafen zu kommen.


Technik und Wartung

Hier ein paar Bilder von der Technik und was noch dazugehört ....Antifouling auftragen, reinigen, polieren ........

2012 wurde erstmals ein kompletter Akkusatz fällig, da 2-3 Batterien Schwächen aufzeigten. Sinnvoll ist jedoch immer nur ein vollständiges Erneuern aller Akkus.

Leider war auch dieser Akkusatz mit 2-3  schwachen Akkus bestückt, so dass ich 2014 zu meinem Leidwesen nochmal einen komplett neuen Satz kaufen musste. Dieses Mal  einen stärkeren, und bis jetzt (Mai 2015) hält er ausgezeichnet.


2014 wurde das ganze Verdeck professionel gereinigt und neu imprägniert. (Leider nicht sehr gut gemacht worden)